Dienstag, 26. Juni 2007
Von schnurlosen Telefonen und dem Erfindergeist
"Jetzt mit ohne Schnur" sagt der kleine, dicke Komiker, dessen Namen ich eigentlich noch nie wusste, und macht eine magische Hanbewegung unter dem schnurlosen Telefon, so wie wenn David Copperfield beweisen möchte, dass seine Jungfrau tatsächlich in der Luft schwebt. Das ist schon ein paar Jährchen her und da mittlerweile so ziemlich jeder in unser gesamtdeutschen Republik über ein solches Mit-Ohne-Schnur-Telefon verfügt, bedarf es auch weiter keiner Werbung mehr. So macht der kleine, dicke Komiker, dessen Namen ich eigentlich noch nie wusste, jetzt Werbung für die Brutzlerwurst und wir sind dankbar dafür, dass die Erfinder des Mit-Ohne-Schnur-Telefons an das kleine, aber unwahrscheinlich hilfreiche Detail "Pager-Ruf" gedacht haben. Der "Pager-Ruf" ist die funktion, mit der man von der Ladestation aus das Mit-Ohne-Schnur-Telefon läuten lassen kann und das ist verdammt gut so. Denn ein jeder Mit-Ohne-Schnur-Telefon-Besitzer kennt es, wenn er bei so ziemlich jeden zu tätigen Anruf vor der leeren Aufladestation steht und nicht wirklich weis, wo das gute, alte Mit-Ohne-Schnur-Telefon denn gerade weilt. Da drückt man dann also auf das kleine Knöpfchen an der Ladestation und läuft quer durch die Wohnung, der Melodie von "The Entertainer" folgend, um das Mit-Ohne-Schnur-Telefon unter der Bettdecke, in der Eck-Couch-Ritze oder auf der Waschmaschine wieder zu finden. Doch warum gibt es solch geniale Erfindungen eigentlich nicht auch für alle anderen Gegenstände, die man regelmässig kurz vor Abfahrt der Straßenbahn, die man zum pünktlichen Erreichen des Kinos nehmen muss, verzweifelt an den unwahrscheinlichsten Stellen in der Wohnung sucht? Ein großer Schaltkasten im Flur direkt neben den eh nie genutzten Schlüßelhaken mit lauter beschrifteten Knöpfchen, ein bisschen so wie der Sicherungskasten im Keller eben, wäre da die erlösende Einrichtung. Da steht dann "Autoschlüssel" neben "Lesebrille" neben "Brieftasche" und je nach Knopf, ertönt dann die Biene-Maya-Melodie oder die Titelmusik von James Bond und führt einen Akustisch zum Objekt des Begehrens. Mensch, das wäre doch die Erfindung. Also liebe Mit-Ohne-Schnur-Telefon-Erfinder, nachdem ja mittlerweile ein jeder von uns ein Mit-Ohne-Schnur-Telefon hat, dürftet ihr doch eh Zeit haben um so etwas zu tüfteln. Und wenn der "Alltägliche-Gegenstände-Such-Assistent" dann pünktlich zum Ende der Grillsaison fertig ist, könnte auch der kleine, dicke Komiker, dessen Namen ich eigentlich noch nie wusste, die Brutzler in den Gefrierschrank legen und der Nation in den Fernseh-Pinkelpausen die neue Errungenschaft anpreisen. Mit magischer Handbewegung, versteht sich.
Montag, 25. Juni 2007
Von Piktogrammen und der Selbstfindung
"Was bin ich eigentlich?", stelle ich mir im Stillen selbst die Frage, als ich da vor den Toiletten des Pizza Huts in Warschaus wenig atemberaubender Innenstadt stehe. Ich war eigentlich nicht hergekommen, um mir Fragen über den Sinn des Lebens zu machen oder um mich selbst zu finden, nein, vielmehr war ich hier aus einem ganz einfachen Grund: Der menschlichen Notdurft nach der zweiten großen Orangenlimonade. Und doch sollte sich gerade hier die Frage stellen, was ich nun eigentlich bin, welche Rolle ich auf dieser Erde spiele oder, um ganz präzise zu sein, welche gottverdammte Türe ich nehmen muss.Piktogramme schön und gut, doch war deren Erfindung nicht eigentlich zur Vereinfachung des Lebens gedacht? Anfänglich wohl schon, allerdings hatte der Erfinder der lustigen Symbole und Männchen ohne Füße und Hände wohl die Rechung ohne findige Innenausstatter und fantasievollen Grafikkünstler gemacht. So hat wohl jeder schon solche Momente selbst durchgemacht. Die Blase drückt, der Kopf leicht schief angewinkelt und die Augen brennend fixiert auf ein 10cm großes Symbol auf Augenhöhe einer Türe gerichtet, hinter der sich der Ort der Erlösung befinden soll. Da gibt es die tollsten Ideen und die witzigsten Gags. Warum bedeutet ein auf einer Bettpfanne sitzendes Piktogrammkind Damen-WC? Können männliche Piktogrammkinder ausschliesslich mit durchgedrückten Hohlkreuz im Stehen pinkeln? Trotz allem meistern wir doch irgendwie immer die Situation mit einem gewissen Erfolgserlebniss, finden wir hinter der piktogrammkinderverziehrten Türe auch die gewünschte, geschlechtsspezifische Toilettenausstattung wieder.Doch was zum Teufel war hier los? Welch abstrakten Gehirnwendungen scheinen die Bewohner von Polens Hauptstadt zu besitzen? Und was zum Teufel bin ich? - Fragen über Fragen stellen sich mir als ich verzweifelt meine Auswahl betrachte: Kreis oder Dreieck?Mein Gehirn arbeitet. Ich überlege, wiege ab, versuche abstrakt zu denken und dann doch wieder logisch: Ist der Kreis als zartes, rundes Objekt die Metapher zur weiblichen Vollkommniss und Schönheit? Hat das Dreieck das typisch raue in jedem Manne? Oder aber spiegelt das Dreieck die Form des Rocks wieder, welchen die Piktogrammdame in der Heimat trägt? Da steh ich nun, verlagere das Gewicht in Anbetracht des steigenden Drucks in der unteren Körperregion von einem Bein auf das andere und fasse auf Grund der Dringlichkeit und des dahinfliehenden Zeitlimits bis zum Supergau eine Entscheidung. Ich atme noch einmal tief ein, der Puls steigt, das Gefühl, vergleichlich mit dem eines Bombenentschärfers bei der Wahl zwischen grünen und blauen Kabel, läßt mich schwitzen. Ein letzter tiefer Atemzug, dann bin ich bereit. Entschlossen mache ich einen Schritt nach vorne und stoße die Türe meiner Wahl auf. Dahinter finde ich vier keramikweise Urinals, die dort sauber aufgereit an der Wand warten wie treue Soldaten beim Morgenappell. Sie stehen dort still und warten auf Ihre Aufgabe, als ich an ihnen vorbeischreite, mit straffer Brust und stolz darauf, ein Stück weit näher zu sein, an der Lebensaufgabe der Selbstfindung. Denn ich weis nun: Ich bin nicht nur der Piktogrammjunge mit dem durchgedrückten Kreuz. Ich bin nicht nur der Huttragende Mann auf dem Zebrastreifenschild. Nein, ich bin um eine Erfahrung reicher: Ich bin ein Dreieck! Und das mir berechtigtem Stolz!
Von Limonen und Limetten
Sauer macht lustig, Limonen sind sauer und wenn diese geviertelt mit crushed Ice und braunen Rohrzucker im Cachaça schwimmen, ist das mit dem lustig werden auch nicht mehr weiter schwer. Heute Abend also der gemischte Grill-Video-Trinkabend und da der Spass natürlich nicht zu kurz kommen soll, darf der Caipi nicht fehlen. So oblag meinen Einem in der gerechten Aufteilung der zu tätigen Besorungen unter anderem das mitbringen von Limetten. So weit so erfreulich, dass ich da doch glatt noch einen Sechserpacken von der letzten Grillfeier im Kühlschrank hatte. Doch, oh schreck, was war denn da passiert? Ergab ein Selbsttest zwar, dass geschmacklich noch alles im Lot ist, war die Farbe doch äußerst Limettenungewöhnlich. Meine einst so schön spinatgrünen Limetten erstralten nunmehr in einem frischen Zitronengelb. Einmal nach den Gründen gegoogelt gergaben die immerhin 67.000 Treffer aber mehr Verwirrung als Erkenntnis. Tja, was hab ich denn nun da eigentlich aus dem Kühlschrank gezogen? Sind das jetzt Limonen oder Limetten oder beides oder gibt es überhaupt unterschiede? Aufklärung fand man im Forum von chefkoch.de. Da wurde der unterschied aufgedeckt: Limone = eigentlich Zitrone = gelb, Limette = das was man im Caipi kennt = grün. Na dann... Haben sich meine Limetten einfach aus Rache der zweiwöchigen Vernachlässigung und Abschiebung ins Gemüsefach meines Kühlschranks einfach in Limonen verwandelt. Aber damit werden sie uns den Spaß heute Abend nicht verderben, denn sauer sind sie immer noch. Und das macht ja angeblich lustig.
Vom Schätze suchen und Zimmer putzen
Aufräumen kann nervig sein, eine Last die man gerne vor sich herschiebt oder ein Zwang, eine Pflicht oder eine Notwendigkeit. Ganz gleich welche Auffassung man auch haben will, irgendwie ist doch immer so ein kleines Stück kindliche Freude dabei, wenn man den inneren Schweinehund erst einmal überwunden und angefangen hat. Dann kommt so ein wenig die Schatzsucherfreude wieder hervor, die man aus längst vergangenen Tagen nur noch wage in Erinnerung hat. Dann stolpert man plötzlich über die alten Liebesbriefe der allerersten Liebe und über die im kindlichen Schreibschriftversuch gekritzelten Geburtsurkunde der mittlerweile 12 Jahre alten Hauskatze. Man findet die Schulaufgabe aus der siebten Klasse, die man pünktlich am 25.3.1996 hätte dem Mathelehrer zurückgeben sollen. Da man mit nicht geringem Stolz das Aufbewahrungsdöschen der liebevoll gesammelten Milchzähne in der Hand und wenig später schwägt man in Sommerlichen Erinnerungen an den Griechenlandurlaub vor vier Jahren, als man die alten Flugtickets in der Schreibtischschublade findet. Wegschmeissen? Sich von was trennen? Geht nicht! Der Mensch ist nun mal Sammler, also einfach von A nach B geräumt. Aber was soll's, so ist der Schatzjägerspaß bei der nächsten Aufräumaktion wenigstens gesichert.
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